Blogbeitrag | Durch Willensstärke Energien freisetzen und die eigenen Ziele fokussieren

Von Confidos Trainer und Mentalcoach | Peter Gerst

Gerhard Kaufmann ist Ingenieur und leitet eine Abteilung mit elf Mitarbeitern eines mittelständischen Maschinenbauers. Mitarbeitergespräche, Teamsitzungen, Abteilungsleitertreffen, Einsatzplanung, Strategieplanung, Korrespondenz … Seine Arbeitszeit ist gut ausgefüllt. 10-12 Stundentage sind bei ihm normal, manchmal wird es auch länger. Gerhard Kaufman ist hochmotiviert, seine Arbeit macht ihm im Prinzip Spaß und doch ist er unzufrieden. Irgendwie hat er das Gefühl, dass er nicht so effizient arbeitet, wie er das eigentlich können müsste. Immer wieder bleiben wichtige Arbeiten liegen. Präsentationen, Berichte, Kontakte zu Kunden, Überlegungen zur Neuorganisation und einiges mehr. Das belastet, stresst und bedrückt den Abteilungsleiter immer wieder, nimmt ihm auch Energie und manchmal fragt er sich, ob er vielleicht doch nicht richtig motiviert ist. Er hat deshalb schon auf eigene Kosten an Motivationsseminaren teilgenommen, Projektleiter-Kurse belegt und diverse Ratgeber zum Thema Zeit- und Selbstmanagement gelesen.
„Die Seminare und Ratgeber waren alle gut. Ich konnte einiges für mich herausziehen“, fasst Gerhard Kaufmann seine Erfahrungen zusammen, „aber an meinem Grundproblem hat sich im Kern nichts geändert. Nach wie vor passiert es mir immer wieder, dass ich mich von bestimmten Tätigkeiten ablenken lassen und dafür dann langfristig Wichtiges liegen bleibt. Dabei bin ich sehr motiviert, es zu tun, aber offenbar mangelt es mir an Willensstärke.“ So geht es nicht nur Abteilungsleiter Kaufmann. „Fälle, wie die von Gerhard Kaufman, erleben wir in unseren Seminaren und Trainings sehr häufig“, berichten Peter Gerst und Reinhold Stritzelberger, beide Businesstrainer bei der Confidos Akademie Hessen und Autoren des Buches „Willensstärke – Energien freisetzen, Ziele erreichen“. „Wenn wir unsere Teilnehmer fragen, warum sie bestimmte Ziele in der Vergangenheit nicht erreicht haben, dann lautet die selbstkritische Antwort meist: Mir hat es an Willensstärke gefehlt. Selten sagt jemand, ich war nicht motiviert genug.“

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Willensstärke ist trainierbar
Doch während Unternehmen viel in Führungsfähigkeit, Kommunikationskompetenz und Verkaufsrhetorik investieren, vernachlässigen sie den Erfolgsfaktor Willensstärke. Businesscoach Reinhold Stritzelberger spricht aus seiner Erfahrung: „Unternehmen gehen meist davon aus, dass allein die Selbstmotivation ihrer Mitarbeiter ausreicht, um ihre Ziele zu erreichen. Leider wird damit viel Erfolgspotenzial verschenkt.“ Motiviert zu sein und sich selbst motivieren zu können ist eine ganz wichtige Voraussetzung und Fähigkeit um ein Ziel zu erreichen, aber, so Peter Gerst, ebenfalls erfahrener Coach, „Selbstmotivation beinhaltet zwar die Lust und die Energie um loszugehen, im Beruf brauchen wir aber zusätzlich Willensstärke um tatsächlich loszugehen und dann auch noch durchzuhalten – gerade dann, wenn es mal wieder unbequem und anstrengend wird.“ Und letzteres kommt eben immer wieder im Alltag vor.
Dabei stellt sich die Frage, warum Unternehmen Willensstärke nicht genauso häufig vermitteln und trainieren wie die Fähigkeit zur Selbstmotivation. Die Antwort von Gerst und Stritzelberger lautet: „Viele Menschen meinen, es handele sich bei der Willensstärke um ein naturgegebenes, unveränderliches Persönlichkeitsmerkmal. Das gilt auch für viele Entscheider in Unternehmen. Weil sie nicht wissen, dass man Willensstärke systematisch lernen und trainieren kann, organisieren sie bislang auch noch zu wenig Seminare zu diesem Thema.“

Um Ziele zu erreichen ist Willensstärke wichtiger als Intelligenz
Die Wissenschaft ist da seit Jahren schon weiter. Ihre Untersuchungen belegen: Nicht etwa Faktoren wie Intelligenz oder Durchsetzungsvermögen allein entscheiden über den Erfolg von Menschen, sondern auch wesentlich ihre Willensstärke. Stritzelberger und Gerst Sie hatten bereits ein modulares Motivationstraining entwickelt nach dem Prinzip: Erst sich selbst und danach andere motivieren. Dieses wollten sie nun um den Faktor Willensstärke erweitern. Sie recherchierten, was Biologen, Psychologen und Hirnforscher dazu an Erkenntnissen gewonnen hatten und entwickelten daraus ein Seminar- und Trainingskonzept, und unterzogen es dem Praxistest. Die Essenz ihrer Erkenntnisse und Methoden haben sie in dem bei Haufe erschienenen Buch „Willensstärke“ gebündelt.
Darin wird beschrieben was Willensstärke nach dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand ist, warum man sie trainieren kann, und wie man sie bei der Bewältigung seiner beruflichen Aufgaben und Herausforderungen nutzen kann.
Willensstärke ist die biologische Fähigkeit das langfristig Bessere zu tun
Was einem auch als Nicht-Wissenschaftler auffällt: Niemand benötigt Willensstärke um ein Stück Sahnetorte zu essen … vorausgesetzt natürlich, man mag Sahnetorten. Mit anderen Worten: Willensstärke ist immer dann überflüssig, wenn wir etwas tun wollen oder sollen, was wir gerne tun, und es keinen Grund gibt unser Handeln zu bereuen. Das könnte allerdings bei der Sahnetorte der Fall sein, wenn wir gerade das Ziel verfolgen, überflüssige Pfunde abzubauen. Dann benötigen wir Willensstärke um die leckere Sahnetorte nicht zu vertreten. Somit ist Willensstärke eine Fähigkeit, die wir dann benötigen, wenn wir in einen Zielkonflikt geraten. Sie hilft uns immer dann, wenn wir einerseits schnelle unmittelbare Befriedigung suchen, andererseits aber genau wissen, dass dies unseren langfristigen Interessen widerspricht. Willensstärke unterstützt uns in diesen Fällen dabei, das langfristig Bessere zu tun.
Physiologisch gesehen sitzt die Willensstärke in einem Bereich des Gehirns etwa hinter Stirn und Augen, dem Stirnhirn. Dieser sog. präfrontale Cortex hat sich in der Evolution erst sehr spät gebildet. Und es gibt ihn so auch nur beim Menschen. Dass in diesem Gehirnareal Willensentscheidungen ge- troffen werden, haben Wissenschaftler aus dem berühmt gewordenen Fall des Phineas Gage geschlossen.

Beispiel:
Vermont, 13. September 1848, 16.30 Uhr. Der 25-jährige Vorarbeiter Phineas Gage hat beim Bau einer Eisenbahnlinie eine Sprengung vorbereitet. Ein kleiner Fehler führt dazu, dass ihm bei der Detonation eine 1 Meter lange und 3 Zentimeter dicke Ei-senstange in den Schädel dringt. Gage überlebt den Unfall, bleibt sogar bei vollem Bewusstsein und ist bereits zwei Monate später wieder arbeitsfähig. Aber: Seine Persönlichkeit hat sich vollkommen verändert. Aus dem zuverlässigen und umgänglichen Vorarbeiter ist ein respektloser, ausschweifender Mann geworden, mit dem niemand mehr etwas zu tun haben will.
Was damals als Persönlichkeitsveränderung beobachtet wurde, beschreiben Mediziner heute als Frontalhirn-Syndrom. Phineas Gage ist der berühmteste Fall. Die Eisenstange hatte den für das vorausschauende Handeln und die Regulation von Emotionen zuständigen Bereich seines Stirnhirns zerstört. Jener Bereich wird aktiv, wenn es um Willensentscheidungen geht. Denn unser Wille ist immer dann gefordert, wenn wir etwas tun wollen, das erst langfristig zu einer Belohnung führt oder kurzfristig bestimmten Gefühlen widerspricht. Solche vorausschauenden, gefühlsregulierenden Willensentscheidungen gibt es nur beim Menschen. Der große Vorteil: Menschen können ihr (Über-)Leben damit unabhängig von Instinkten und spontanen Impulsen gestalten. Tiere können das nicht. Ein Hund kann weder Knochen für sein Alter zurücklegen, noch schafft er es, aus gesundheitlichen Gründen seinen Napf nur halb zu leeren. Willensentscheidungen zu treffen ist also eine wertvolle Fähigkeit. Sie kann zu einem längeren und besseren Leben verhelfen.
So gesehen ist Willensstärke ein typisch menschlicher Überlebensmechanismus. Nur leider nutzen wir sie nicht immer. Schuld daran ist ein anderer Teil unseres Gehirns, der ebenso für unser Überleben zuständig ist. Dieser andere Teil unseres Überlebenssystems besteht aus den evolutionsbiologisch älteren Trieben, Instinkten und Verhaltensprogrammen. Auch diese funktionieren hervorragend und taten dies schon, bevor sich die Fähigkeit für Willensentscheidungen ausbildete.
Wille versus Triebe und Instinkte
Helfen uns Willensentscheidungen langfristig gut zu überleben, dann helfen uns Triebe und spontane Impulse beim kurzfristigen Überlebenskampf. Dieses Verhaltensprogramm hat die Evolution für ein Überleben in einer ressourcenarmen, lebensfeindlichen Umgebung hervorgebracht, für den Kampf gegen Wetterunbilden, Nahrungsmangel und den schon sprichwörtlich gewordenen Säbelzahntiger. Die Grundprinzipien unseres „alten“ Überlebensprogramms: sofort und möglichst viel von dem essen, was süß und fettig ist; besiegbare Feinde und Rivalen sofort angreifen und niederwerfen; vor Gefahren die Flucht ergreifen; wo immer möglich, Energie sparen und sich ausruhen … also genau die Dinge, die wir tun, obwohl wir sie nicht tun wollen und die wir dann unter „mangelnder Willensstärke“ einordnen.
Und all das kann einem den Berufsalltag trotz hoher Motivation beschwerlich machen. Denn dieser ist voller Auslöser, die unser impulsgesteuertes Überlebenssystem anspringen lassen. Es treibt uns dazu, vor dem auszuweichen was uns als mühsam oder gefährlich erscheint. Im Beispiel von Gerhard Kaufman waren dies: die zeitraubenden Kundenpflege-Gespräche, die von oben verordnete Neuorganisation der Abteilung, die Vorbereitung auf die nächste Vorstandspräsentation, schwelende Konflikte unter Mitarbeitern und noch einiges mehr. Stattdessen treibt dieses Überlebenssystem uns dazu an, Bequemeres, Angenehmeres zu tun. Bei Abteilungsleiter Kaufmann war dies zum Beispiel: Mails abarbeiten, um bei jeder abgesendeten Nachricht sofort die Befriedigung zu erleben, wieder etwas geschafft zu haben; Mitarbeitern bei ihren Aufgaben helfen und dabei mal wieder mit Ingenieurwissen zu glänzen; über Sinn und Unsinn der beschlossenen Neuorganisation des Unternehmens diskutieren.
Hier hat Gerhard Kaufman mit seiner Selbsteinschätzung recht. Mit mehr Willensstärke wäre es ihm möglich gewesen, den Verführungen und Ablenkungen auszuweichen und mehr von dem zu tun, was langfristig wichtig ist, aber vielleicht im ersten Moment unangenehm. Dieser mangelnde Willenskraft ist aber kein Merkmal von Charakterschwäche, sondern womöglich ein Anzeichen dafür, wie sehr er sich an anderer Stelle angestrengt hat. Der Grund: die Willenskraft kann wie ein Muskel bei häufigem Gebrauch erlahmen.
Unser Wille funktioniert wie ein Muskel
Der amerikanische Psychologie-Professor Roy Baumeister zählt zu den bekanntesten Erforschern der Willenskraft. In unzähligen Experimenten hat er Testpersonen nicht nur mit Süßigkeiten in Versuchung geführt, sondern auch mit Ablenkungen, Druck, Lob, Belohnungen und anderem mehr. Immer zeigte sich: Je öfter die Willenskraft benötigt wurde, um das eigene Verhalten zu regulieren und Versuchungen zu widerstehen, desto mehr erlahmte sie.
Das führt zu einer äußerst wertvollen Erkenntnis: Jede Handlung, für die Willensstärke benötigt wird, bezieht ihre Kraft aus ein und derselben Quelle, und jede erfolgreiche Willenskrafthandlung erschöpft eben diese Quelle ein Stückchen mehr. Mit anderen Worten: Ganz gleich, ob jemand eine Reihe zukunftsweisender Entscheidungen für sein Unternehmen fällen, mittags auf den Nachtisch verzichten oder seinen Ärger über den Verkehrsstau unterdrückt – all das raubt ihm Stück für Stück etwas von seiner Willensenergie.
Willenskraft-Forscher Baumeister hat aus all dem einen bedeutsamen Schluss gezogen: Der Wille funktioniert wie ein Muskel: Zum einen werden Muskeln bei Dauerbeanspruchung schwächer. Kein noch so trainierter Kraftsportler kann unendlich viele Liegestütze hintereinander wegpumpen – irgendwann ist seine Kraft erschöpft. Ebenso verhält es sich mit der Willenskraft. Zum anderen – und das ist die gute Nachricht – lassen sich Muskeln trainieren. Dann steigert sich die Zahl an Liegestützen. Ebenso können wir unsere Willenskraft ertüchtigen. Dann kann sie auch mehr leisten.
Die Willenskraft stärken und Ziele erreichen
Aus der Erkenntnis, dass wir Willensstärke benötigen, um uns in einen Zielkonflikt zwischen einer kurzfristigen Befriedigung und einem langfristigen Glück für letzteres zu entscheiden und dass Willensstärke wie ein Muskel ermüden aber auch systematisch aufgebaut werden kann, haben die Businesscoach es Gerst und Stritzelberger eine ganze Reihe von Methoden und Herangehensweise abgeleitet, wie diese Kraft genutzt werden kann, im Privat- genauso wie im Berufsleben.
Ihre Empfehlungen reichen von einem Willenskraft-Aufbautraining, über Hinweise auf Irrwege, Tipps zur Schonung der Ressource Willenskraft bis hin zu ganz konkreten Willensstärke Strategien mit denen man im Alltag seine Ziele mit größerer Wahrscheinlichkeit erreicht. Dafür drei Beispiele, die sehr schnell eine große Wirkung zeigen.
(1) Das Ein-Ziel-Erfolgsprinzip
Gerade Führungskräfte, die sehr hochmotiviert sind, geht, haben nicht nur ein einzelnes Ziel. Meist fallen ihnen haufenweise Vorhaben ein: die Aufgabenliste abarbeiten, jedes Papier nur einmal in die Hand nehmen, im Büro endlich den Posteingang des E-Mail-Accounts leeren, die wichtigsten Kunden regelmäßig kontaktieren, die Folienpräsentation mal so richtig begeistert gestalten, das Ziel Gespräch mit Mitarbeiter XY führen, die neue Vertriebsidee ausarbeiten … Da kommt schnell eine lange Liste zusammen.
Klar weiß man sofort, dass man nicht alles auf einmal er ledigen kann. Sich aber drei, vier oder fünf Ziele gleichzeitig vorzunehmen, klappt doch locker, oder? Der Haken daran: Je mehr Ziele auf einmal wir angehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich am Ende nichts zum Besseren ändert.
Der Grund: All diese Veränderungen kosten Kraft, Willenskraft. Diese brauchen wir immer wieder, um Gewohntes anders und neu zu gestalten. Da Willenskraft aber nicht unerschöpflich ist, verteilt das Gehirn, ohne dass es uns bewusst wird, die Kraft auf verschiedene Ziele und Aufgaben. Mit dem Ergebnis, dass wir nicht ein einziges Ziel mit voller Kraft angehen, sondern viele Ziele mit einem Drittel, einem Viertel, einem Fünftel und vielleicht sogar noch weniger unserer Kraft. Letztlich erreichen wir dann keines der Ziele. Es ist wie mit Leuchttürmen im Dunkeln: Strahlt nur ein einziger, richtet sich die gesamte Aufmerksamkeit und Energie auf diesen Lichtfleck. Würden mehrere gleichzeitig leuchten, wüssten wir nicht mehr, worauf wir uns fokussieren sollen.
Deutlich mehr Erfolg beim Erreichen unserer Ziele haben wir daher, wenn wir unsere (Willens-)Kraft konzentriert einsetzen und uns auf ein Ziel fokussieren.
So fokussieren Sie Ihre Kräfte mit dem Ein-Ziel-Erfolgsprinzip
1 Schreiben Sie Ihre wichtigen Ziele auf.
2 Wählen Sie das Ziel, das Ihnen gerade am wichtigsten ist, oder ein Ziel, das Sie unbedingt zuerst erreichen wollen.
3 Entscheiden Sie sich dafür, sich diesem Ziel mit aller Kraft zu widmen.
4 Erstellen Sie einen Aktionsplan und widmen Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit nur diesem einen Ziel.
(2) „Dopaminisieren“ Sie Ihre Ziele
Dopamin ist ein Botenstoff, den das menschliche Nervensystem ausschüttet. Es gilt als Glückshormon und ist verbunden mit Gedanken wie: „Das will ich unbedingt haben. Das brauche ich. Besitze ich das oder tue ich das, dann wird es sich gut anfühlen …“ Gut, wenn das Dopamin beim Gedanken an den wichtigen Jahresbericht, das dringende Konfliktgespräch mit dem Kollegen und an die entscheidende Vorstandspräsentation ausgeschüttet wird. Leider fließt das Dopamin aber häufiger beim Gedanken an weniger wichtige, aber angenehmere Tätigkeiten. Dafür ist der emotionale Teil unseres Gehirns verantwortlich.
In diesen Momenten bleibt unserem rationalen, weit vorausschauenden Großhirn nichts anderes übrig, als das Begehren mit Willenskraft auszuschalten. Dafür stehen zwei Methoden zur Verfügung – eine harte und eine weiche, sehr elegante. Seltsamerweise ist die harte Tour weit mehr verbreitet, obwohl sie im Vergleich zur eleganten extrem schlecht abschneidet.
Die harte Tour bedeutet, sich selbst zu quälen, Verzicht zu leisten, die Zähne zusammenzubeißen, sich zu zwingen, mit eiserner Disziplin die eigenen Bedürfnisse zu unterdrücken. All das funktioniert zwar, aber selten langfristig. Auf diesem Weg kommen vielleicht 5 von 100 Menschen ans Ziel. Die restlichen 95 scheitern und werfen sich daraufhin Willensschwäche vor.
Menschen sind eben nicht dafür konstruiert, sich selbst ständig Schmerz zuzufügen. Wir suchen nach Glück und marschieren am liebsten dorthin, wo unser Dopamin ausschüttendes emotionales Gehirn es gerade entdeckt: in den „interessanten“ neuen Mails, der Beschäftigung mit dem persönlichen Lieblingsprojekt, der Diskussion mit Kollegen . Weil dieses Dopamin System sehr mächtig ist, sollten Sie besser mit ihm arbeiten anstatt dagegen.
Das ist die elegante Tour. Der Trick lautet: Dopaminisieren Sie Ihre Ziele, gerade diejenigen, die sie nur auf steinigen Wegen erreichen. Denken Sie die richtigen Gedanken über Ihr Ziel. Richtige Gedanken erkennen Sie daran, dass sie sofort ein starkes positives Gefühl des Verlangens nach diesen Zielen auslösen.
Die Betonung liegt dabei auf „sofort“. Denn im Konflikt zwischen kurzfristigen Bedürfnissen und langfristigen Interessen drängt es uns mit größerer Macht zur schnellen Befriedigung. Ist die Erfüllung unseres Verlangens erst nach Wochen, Monaten oder gar Jahren zu erwarten, bleibt der Dopaminschub und damit auch das Verlangen aus.
Beispiel: Es sieht schlecht aus, wenn die Entscheidungsalternative lautet, entweder ein paar aufregende Runden im Internet zu drehen, oder sich gleich an die Projektplanung zu setzen, für die es frühestens in einem halben Jahr Lob und Anerkennung geben wird. Letzteres ist langfristig natürlich besser für die Karriere und wird Sie auch viel glücklicher machen, wenn es soweit ist, aber es fühlt sich jetzt nicht so an
Sie können aber dafür sorgen, dass es sich bereits jetzt gut anfühlt und augenblicklich zu einem Dopaminschub-Auslöser kommt, der Sie zu Ihrem Ziel treibt – ohne viel Willenskraft mobilisieren zu müssen und ohne sich elend zu quälen, wohl-gemerkt.
Malen Sie sich Ihr Ziel in den schönsten Farben aus:
1 Stellen Sie sich vor, Sie hätten Ihr Ziel erreicht: Wie großartig fühlen Sie sich dann!
2 Welche Probleme, Mangelsituationen, Belastungen werden dann hinter Ihnen liegen?
3 Was wird dann alles angenehmer, schöner, reicher, besser für Sie werden?
4 Stellen Sie sich all dieses Positive mit allen Sinnen so intensiv wie möglich vor.
5 Fühlen Sie das damit einhergehende Glück und die sich ausbreitende Befriedigung hier und jetzt. Freuen Sie sich darauf, jetzt sofort das zu tun, was Sie Ihrem Ziel näherbringt.
Lassen Sie sich von diesem Gefühl leiten, wird es Ihnen leichter fallen, tatsächlich das Nötige zu tun, selbst wenn es gerade unbequem ist. Dabei wird wahrscheinlich noch ein weiterer, sehr hilfreicher Effekt eintreten: Wenn Sie Ihr Ziel nicht nur als vernünftig betrachten, sondern es unmittelbar als beglückend wahrnehmen, werden sogar die Momente, in denen Sie sich ordentlich anstrengen müssen, zu kleinen Glückserlebnissen. Denn sie lassen sich als Wegmarken auf der Strecke zum Ziel werten, über die Sie sich bei jedem Erreichen freuen können. Das erhöht die Durchhaltekraft.
(3) Das Erfolgsprinzip: Bewusst(er) entscheiden
Ganz gleich, wie viel Willensstärke Sie auch ins Feld führen – sie ist vollkommen wirkungslos, wenn sie im Moment der Entscheidung nicht zum Einsatz kommt. Das Erfolgsprinzip lautet: Entscheiden Sie bewusst. Vielleicht fragen Sie sich jetzt: „Was soll daran besonders sein? Ich entscheide mich doch immer bewusst.“ Nein, das tun Sie nicht immer, das tut niemand immer. Das können wir auch gar nicht. Wir können uns zwar immer einmal wieder bewusst entscheiden. Aber die meisten Entscheidungen fällen wir völlig unbewusst.
Beispiel: Wie oft treffen Sie am Tag eine Entscheidung darüber, ob und was Sie essen oder trinken? 10, 20 oder 30 Mal? Im Rahmen einer Studie führten Menschen Buch über ihre Essensentscheidungen. Im Durchschnitt kamen sie auf 227 Entscheidungen pro Tag. Hätten Sie das gedacht? Und das sind nur die Entscheidun-gen, die unsere Ernährung betreffen.
Für Psychologen ist dieses Ergebnis wenig überraschend. Sie wissen längst, dass wir die meisten Entscheidungen unbewusst treffen. Deshalb passiert es immer wieder, dass wir schon wieder seit 1 Stunde Mails beantworten, obwohl wir nur kurz schauen wollten, ob was wichtiges eingetroffen ist.
Aber wenn wir die Mehrzahl unserer Entscheidungen automatisch treffen, wie lässt sich dann unser Verhalten bewusst per Willenskraft lenken? Die Antwort: Es gilt, die Zahl der bewussten Entscheidungen zu erhöhen. Dazu ist es zunächst nötig, die Momente zu erkennen, in denen wir vor einer Willenskraft-Entscheidung stehen und dann folgendes zu tun
Phase 1: Innehalten und durchatmen
Für eine bewusste Entscheidung sollten wir zunächst innehalten und durchatmen. Das klingt banal, ist aber eine entscheidende Voraussetzung zur optimalen Entfaltung unserer Willenskraft. Das hat mit dem Zusammenhang von Stress und Willenskraft zu tun: Je ausgeprägter unsere körperlichen Stressreaktionen sind, z. B. verstärkter Puls und schnelles Atmen, desto impulsiver und automatischer reagieren wir. Ohne groß nachzudenken tun wir das, wonach unser emotionales Gehirn verlangt. Wobei dieses Verlangen selbst schon kleine Stressreaktionen auslöst.
Sobald wir diese Reaktion bemerken, ist es an der Zeit, ganz bewusst nichts zu tun, also einfach einen Moment abzuwarten, tief einzuatmen und uns durch entspanntes langes Ausatmen in den Zustand der inneren Ruhe zu versetzen. Daraufhin wird der Dopamin-Anteil im Blut sinken und mit ihm unser Verlangen. Gleichzeitig steigt der Anteil des Botenstoffes Serotonin im Blut, wodurch wir uns entspannter und ausgeglichener fühlen. Jetzt ist unser Organismus wieder auf Nachdenken und kluges Handeln eingestellt. Wir können nun eine kluge Willenskraft-Entscheidung treffen.
Phase 2: Vorstellen und abwägen
Haben Sie innegehalten und durchgeatmet, sind Sie bestens darauf eingestellt, nun den entscheidenden Schritt zu tun: Die Anziehungskraft Ihres Ziels zu verstärken und die Anziehungs- kräfte der Ablenkungen und Verführungen ins Wirkungslose zu schwächen.

Das machen Sie am besten so:
1 Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihr Ziel erreicht: Malen Sie sich aus, wie es dann für Sie sein wird. Genießen Sie es für einen Moment und stellen Sie sich danach vor, dass Sie dieses Glück sofort verlieren, wenn Sie nicht das tun, was Sie auf dem Weg zu Ihrem Ziel jetzt tun müssen.
2 Vergleichen Sie dann und fragen Sie: „Ist mir diese kleine Belohnung, diese kleine Bequemlichkeit, diese kleine Befriedigung diesen Riesenverlust meines Glücks wirklich wert?“
3 Sobald sich in Ihnen das Gefühl regt „Nein, das ist es mir nicht wert!“, entscheiden Sie sich mit voller Willenskraft, das zu tun, was für Sie und Ihr langfristiges (Lebens-) Glück jetzt getan werden muss.
4 Tun Sie das, was getan werden muss.

Informationen zu unserem Inhouse-Seminar „Willensstärke“ finden Sie hier:

https://www.confidos-akademie.de/inhouse-seminar-willensstaerke-energien-freisetzen-berufliche-und-private-ziele-erreichen/


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